18.08.2026

Sport Schweiz 2026: Der Sportboom flacht ab – der Markt bleibt attraktiv

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Die Schweizer Bevölkerung gehört weiterhin zu den sportlichsten Europas. Gleichzeitig zeigt die neue Studie «Sport Schweiz 2026»: Nach Jahrzehnten des Wachstums hat die Sportaktivität offenbar ein Plateau erreicht. Für den Sportfachhandel bedeutet dies keinen schrumpfenden Markt, aber einen Markt im Wandel. Wachstum entsteht künftig weniger durch immer mehr Sporttreibende als durch neue Bedürfnisse, veränderte Sportarten und eine stärkere Verbindung von Produkt, Beratung und Dienstleistung.

Bericht: Peter Bruggmann

Seit dem Jahr 2000 untersucht die Studie «Sport Schweiz» im Sechsjahresrhythmus das Sportverhalten der Bevölkerung. Für die aktuelle Ausgabe wurden 14’791 Personen ab 15 Jahren befragt. Die Untersuchung wird vom Bundesamt für Sport BASPO getragen und gemeinsam mit Swiss Olympic, BFU, Suva und weiteren Partnern realisiert.

Die Ergebnisse sind auch für den Schweizer Sportfachhandel von Bedeutung. Sie zeigen, wo sich Sportaktivitäten verändern, welche Sportarten an Bedeutung gewinnen und wie hoch die Zahlungsbereitschaft rund um Sport weiterhin ist.

Sportaktivität erreicht ein Plateau
Eine der wichtigsten Erkenntnisse von «Sport Schweiz 2026» ist die erstmals seit Jahrzehnten festgestellte Stagnation der Sportaktivität.

52 Prozent der Schweizer Bevölkerung gehören zu den sehr aktiven Sporttreibenden. Sie treiben mehrmals pro Woche während insgesamt mindestens drei Stunden Sport. Weitere 31 Prozent sind in unterschiedlicher Intensität sportlich aktiv. 17 Prozent bezeichnen sich als sportlich inaktiv. Damit liegt die Sportaktivität praktisch auf dem Niveau von 2020.

Die langfristige Entwicklung bleibt dennoch eindrücklich. Der Anteil der Personen, die mehrmals pro Woche Sport treiben, ist gemäss der Langzeitbetrachtung von 22 Prozent im Jahr 1978 auf 58 Prozent im Jahr 2026 gestiegen. Gleichzeitig sank der Anteil der Nichtsportlerinnen und Nichtsportler deutlich. Die Schweiz gehört damit weiterhin zusammen mit Finnland, Schweden und Dänemark zur europäischen Spitzengruppe.

Für den Sportfachhandel ist dies eine wichtige Verschiebung: Der Markt kann nicht mehr automatisch davon ausgehen, dass eine kontinuierlich steigende Zahl von Sporttreibenden zusätzliches Wachstum erzeugt. Der Wettbewerb um bestehende Kundinnen und Kunden sowie um deren Sportbudget wird wichtiger.

Der «helvetische Fünfkampf» bleibt stark – verliert aber an Dynamik
Die Schweizerinnen und Schweizer bleiben ihren traditionellen Sportarten grundsätzlich treu. Wandern, Radfahren, Schwimmen, Skifahren und Jogging bilden weiterhin den sogenannten «helvetischen Fünfkampf».

Allerdings haben diese grossen Breitensportarten gegenüber 2020 teilweise an Popularität eingebüsst. Gleichzeitig gewinnen andere Aktivitäten an Bedeutung. Besonders deutlich zugelegt haben Krafttraining und Yoga. Insgesamt wurden in der Untersuchung nicht weniger als 317 unterschiedliche Sportarten und Sportformen erfasst.

Auch regionale Unterschiede sind relevant. In der Deutschschweiz beispielsweise nennen 50,7 Prozent Wandern und Bergwandern, 37,7 Prozent Radfahren, 25,7 Prozent Jogging und 23,1 Prozent Skifahren. Krafttraining erreicht bereits 21,5 Prozent und hat gegenüber 2020 deutlich zugelegt. Mountainbiking liegt bei 8,2 Prozent, Skilanglauf bei 5,4 Prozent sowie Ski- und Snowboardtouren bei 3,1 Prozent.

Für den Handel spricht dies gegen eine ausschliessliche Orientierung an einzelnen grossen Sportarten. Die Nachfrage fragmentiert sich. Kundinnen und Kunden kombinieren unterschiedliche Aktivitäten und wechseln zwischen Outdoor, Fitness, Wintersport, Running oder anderen Bewegungsformen.

Outdoor bleibt ein zentraler Pfeiler des Schweizer Sports
Besonders relevant für den Schweizer Sportfachhandel ist die Bedeutung des Outdoorsports.

43 Prozent der Bevölkerung treiben mindestens einmal pro Woche Sport in der freien Natur, weitere 14 Prozent mindestens monatlich. Signalisierte Wanderwege gehören zu den meistgenutzten Sportinfrastrukturen, ebenso Bergbahnen und Skilifte. Auch Velorouten, Mountainbikewege, Winterwanderwege, Langlaufloipen, Schneeschuhrouten und andere Outdoorinfrastrukturen werden von grossen Bevölkerungsgruppen genutzt.

Die Studie bezeichnet die Schweiz ausdrücklich als «Eldorado für Outdoorsport». Die Kombination aus Bergen, Seen und Wäldern sowie einer sehr gut ausgebauten Sportinfrastruktur schafft Voraussetzungen, die unmittelbar auch den Sportartikelmarkt beeinflussen.

Für den Fachhandel bleibt Outdoor deshalb ein strategisch bedeutendes Geschäftsfeld. Gleichzeitig verschiebt sich die Nachfrage zunehmend von einzelnen Sportarten hin zu ganzjähriger Aktivität in der Natur. Wandern, Trailrunning, Mountainbike, Wintersport, Langlauf oder Skitouring überschneiden sich bei Zielgruppen, Bekleidung und Ausrüstung immer stärker.

Fitness entwickelt sich weiter
Eine zweite klare Wachstumsentwicklung zeigt sich beim Fitnesssport. 22 Prozent der Bevölkerung besitzen mittlerweile ein Fitnesscenterabonnement. Erstmals gibt es damit mehr erwachsene Mitglieder in Fitnesscentern als aktive Mitglieder in Sportvereinen.

Hinzu kommt das Training zu Hause. 31 Prozent der Bevölkerung treiben mindestens einmal pro Woche in den eigenen vier Wänden Sport, weitere 10 Prozent mindestens einmal monatlich.

Damit entsteht ein bedeutender Markt zwischen klassischem Sportfachhandel, Fitnessbranche und Lifestyle. Trainingsbekleidung, Schuhe, funktionelle Textilien, kleinere Trainingsgeräte, Recovery-Produkte und digitale Trainingslösungen sind längst nicht mehr ausschliesslich Themen spezialisierter Fitnessanbieter.

Sportferien stärken die Verbindung von Sport, Handel und Tourismus
29 Prozent der Schweizer Bevölkerung haben innerhalb der vergangenen zwölf Monate Sportferien oder Sportreisen unternommen. Ein Viertel der Bevölkerung verbrachte Sportferien in der Schweiz. Ski- und Wanderferien bleiben dabei die wichtigsten Formen.

Diese Zahlen sind insbesondere für Sportfachgeschäfte in Tourismusregionen relevant. Sportartikel werden dort nicht isoliert konsumiert, sondern sind Bestandteil eines gesamten Erlebnisses aus Reise, Bewegung, Natur, Infrastruktur und Dienstleistung.

Damit gewinnen Mietangebote, Service, Reparatur, kurzfristige Verfügbarkeit und kompetente Beratung zusätzlich an Bedeutung. Gerade im Wintersport zeigt sich bereits seit längerem, dass Nutzung nicht zwingend Besitz bedeutet.

Rund 600 Franken pro Kopf für Sportartikel und Sportbekleidung
Besonders interessant sind die Zahlen zu den Sportausgaben.

Die Schweizer Bevölkerung gibt durchschnittlich 2’088 Franken pro Kopf und Jahr für Sport aus. 2020 waren es 1’937 Franken. Inflationsbereinigt ist die Zunahme allerdings gering. Der Anteil der Bevölkerung mit Sportausgaben sank gleichzeitig von 89 auf 86 Prozent.

Die grösste Position bilden Sportferien und Sportreisen mit durchschnittlich 678 Franken pro Kopf. Direkt dahinter folgen jedoch bereits Sportbekleidung und Sportausrüstung mit durchschnittlich 601 Franken pro Person und Jahr. Rund drei Viertel der Bevölkerung geben Geld für Sportbekleidung oder Sportausrüstung aus.

Damit bleibt der Schweizer Sportartikelmarkt auf einer aussergewöhnlich breiten Basis abgestützt. Entscheidend ist weniger, ob grundsätzlich Geld für Sport ausgegeben wird, sondern wo, für welche Aktivitäten und über welche Vertriebskanäle dieses Budget eingesetzt wird.

Was bedeutet «Sport Schweiz 2026» für den Sportfachhandel?
Aus den Ergebnissen lassen sich fünf zentrale Entwicklungen ableiten.

1. Vom Wachstumsmarkt zum Verdrängungsmarkt

Die Zahl der sehr aktiven Sporttreibenden wächst erstmals kaum noch. Wachstum muss deshalb stärker über Marktanteile, Kundenbindung, zusätzliche Dienstleistungen und neue Bedürfnisse erzielt werden. Der einzelne Kunde gewinnt wirtschaftlich an Bedeutung.

2. Multi-Sport wird wichtiger

317 erfasste Sportarten verdeutlichen die Differenzierung des Marktes. Viele Menschen definieren sich nicht mehr ausschliesslich über eine Sportart. Sie wandern, fahren Ski oder Velo, trainieren im Fitnesscenter und gehen gelegentlich laufen. Für den Handel entstehen Chancen durch sportartenübergreifende Sortimente und Beratung.

3. Outdoor bleibt ein struktureller Vorteil

Die Schweiz verfügt über aussergewöhnliche Voraussetzungen für Outdooraktivitäten. Die intensive Nutzung der Natur und der entsprechenden Infrastruktur schafft einen stabilen Bedarf an funktioneller Ausrüstung, Schuhen und Bekleidung. Gleichzeitig eröffnet die ganzjährige Nutzung Möglichkeiten, saisonale Abhängigkeiten zu reduzieren.

4. Beratung und Dienstleistungen gewinnen an Bedeutung

Je differenzierter Produkte und Sportarten werden, desto wichtiger wird Orientierung. Passform, Funktion, Sicherheit, Materialwahl und Einsatzbereich lassen sich nicht allein über den Preis vermitteln. Bootfitting, Werkstatt, Vermietung, Reparatur, Bike-Service oder individuelle Produktanpassungen schaffen zusätzliche Differenzierungsmöglichkeiten gegenüber rein transaktionsorientierten Vertriebskanälen.

5. Der Handel verkauft zunehmend Zugang zum Sport

Die Studie zeigt eine Sportwelt, die individueller und flexibler wird. Fitnesscenter wachsen, Sport findet zu Hause und draussen statt, Sportreisen bleiben bedeutend und klassische Organisationsformen verlieren teilweise ihre Exklusivität. Für den Sportfachhandel erweitert sich damit seine Rolle: Neben dem Verkauf von Produkten werden Vermietung, Service, Testing, Kurse, Events und Kooperationen mit Tourismusorganisationen, Sportanbietern und Destinationen wichtiger.

Ein grosser Markt verändert seine Wachstumslogik
«Sport Schweiz 2026» zeichnet insgesamt kein negatives Bild für den Sportfachhandel. Im Gegenteil: Die Schweiz verfügt weiterhin über eine aussergewöhnlich sportaktive Bevölkerung. Mehr als die Hälfte treibt intensiv Sport, Outdooraktivitäten sind fest im Alltag verankert und die Bevölkerung gibt weiterhin erhebliche Beträge für Sportbekleidung und Sportausrüstung aus.

Verändert hat sich die Wachstumslogik. Nach Jahrzehnten der Expansion tritt der Schweizer Sport in eine Phase der Konsolidierung und weiteren Differenzierung ein.

Für den Sportfachhandel dürfte deshalb künftig weniger entscheidend sein, ob noch mehr Menschen Sport treiben. Entscheidend wird sein, wie sich die bestehenden Sportlerinnen und Sportler bewegen, welche neuen Aktivitäten sie aufnehmen und welche Produkte, Dienstleistungen und Erlebnisse sie dafür benötigen.

Die wichtigste Botschaft der Studie für die Branche lautet damit: Die Schweiz bleibt ein ausgesprochen starker Sportmarkt – aber Wachstum muss künftig stärker über Kompetenz, Spezialisierung, Service und die Begleitung eines zunehmend vielfältigen Sportverhaltens entstehen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

 

 

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