11.08.2026

Halbjahresbilanz 2026: Detailhandel wächst leicht, Kluft zwischen online und stationär vertieft sich

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Der Schweizer Detailhandel blickt auf ein gemischtes erstes Halbjahr 2026 zurück. Im Rahmen ihrer Halbjahresauswertung zu den Debit- und Kreditkartentransaktionen rechnet die SWISS RETAIL FEDERATION mit einem nominalen Umsatzwachstum der Gesamtbranche von +1.2% gegenüber der Vorjahresperiode. Während der Onlinehandel mit +3.0% erfreulich deutlich zulegt, wächst der stationäre Handel nur dank des starken Lebensmittelhandels moderat mit +1.0%. Im Non Food-Bereich muss hingegen mit einem empfindlichen Umsatzrückgang von -3.3% gerechnet werden. Die SWISS RETAIL FEDERATION fordert daher zur Sicherstellung gleich langer Spiesse gezielte Entlastungsmassnahmen zugunsten des stationären Handels. Der Forderungskatalog beinhaltet unter anderem liberalere Ladenöffnungszeiten, bessere Zufahrts- und Parkierungsmöglichkeiten sowie eine Verschlankung der Bewilligungsprozesse.  

Das erste Halbjahr 2026 verlief auch auf der Zeitschiene uneinheitlich: Während die ersten Monate nicht zuletzt aufgrund der angespannten Weltlage (Irankrieg, Zollkonflikt mit den USA) noch harzig ausfielen, setzte im zweiten Quartal eine spürbare Erholung ein, insbesondere gegen den Sommer hin. «Diese Entwicklung zeigt, dass sich die Konsumstimmung zwar leicht verbessert hat, der Detailhandel aber weiterhin in einem sehr anspruchsvollen Umfeld agiert», hält Patrick Erny, Direktor der SWISS RETAIL FEDERATION fest.

Lebensmittelhandel stützt den stationären Markt

So legt die Auswertung der Debit- und Kreditkartentransaktionen für das erste Halbjahr 2026 nahe, dass das Wachstum im stationären Handel weitestgehend dem Lebensmittelhandel zu verdanken ist. Er spielte mit einem Plus von +3.8% erneut seine traditionell stabilisierende Rolle. Treiber dieser Entwicklung bleibt insbesondere das anhaltende Bevölkerungswachstum, das sich positiv auf den Grundbedarf auswirkt. Demgegenüber muss im Non-Food-Sektor des stationären Handels mit einem Rückgang von -3.3% gerechnet werden. Namentlich in den Branchensegmenten Textil und Schuhe, Möbel und Haushalt, DIY sowie Freizeit und Spielwaren bleibt der strukturelle Druck unvermindert hoch. Der Onlinehandel hingegen entwickelte sich in den meisten Segmenten positiv und konnte seine Marktstellung weiter ausbauen.

Einkaufstourismus verbleibt auf hohem Niveau

Der Einkaufstourismus bleibt im ersten Halbjahr 2026 auf sehr hohem Niveau stabil bis leicht wachsend. Für die Schweizer Detailhandelsbranche – insbesondere für den stationären Handel – bedeutet dies anhaltenden Wettbewerbs- und Margendruck. Die Zahlen zeigen aber auch, dass sich der Onlinehandel und der stationäre Handel zunehmend unterschiedlich entwickeln. Während der digitale Vertrieb weiter wächst, geraten physische Verkaufsstandorte stärker unter Druck. Umso wichtiger sind verlässliche und unternehmensfreundliche Rahmenbedingungen gerade für den stationären Detailhandel.

Politische Rahmenbedingungen stärken

Die SWISS RETAIL FEDERATION fordert deshalb eine gezielte Stärkung der politischen Rahmenbedingungen insbesondere für den stationären Handel, nicht nur auf nationaler, sondern gerade auch auf kantonaler und kommunaler Ebene. Dazu gehören unter anderem:

  • Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten am Abend und Wochenende, damit die Betriebe besser auf die heutigen Kundenbedürfnisse reagieren können
  • Sicherstellung von Zufahrtsmöglichkeiten und kostengünstigen Parkierungsangeboten in Zentrumsnähe für alle Verkehrsteilnehmer, namentlich für den motorisierten Individualverkehr
  • Verschlankung der Bewilligungsprozesse, insbesondere im Baubereich, damit Investitionen, Umbauten und Modernisierungen schneller umgesetzt werden können
  • Abbau regulatorischer Hürden und Gebühren für stationäre Verkaufsflächen und Verkaufskonzepte – im Besonderen Verzicht auf zusätzliche bzw. Streichung bestehender Produktdeklarationen
  • Keine zusätzlichen finanziellen Belastungen für den Detailhandel durch höhere Mehrwertsteuersätze oder zusätzliche Lohnabgabe.

«Der stationäre Detailhandel ist für die Nahversorgung, die Bereitstellung einer Vielzahl attraktiver Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie den Erhalt lebendiger Ortszentren unverzichtbar. Damit er weiterwachsen und im Wettbewerb bestehen kann, braucht er verlässliche und unternehmensfreundliche Rahmenbedingungen», sagt Erny abschliessend.