Performance Running boomt – aber anders als viele denken
Was die SGI-Europe-Studie für den Schweizer Sportfachhandel bedeutet
Der Laufsport bleibt einer der attraktivsten Wachstumsmärkte der Sportartikelbranche. Die neue SGI-Europe-Studie «Performance Running Market Germany 2025» zeigt, dass sich der Markt deutlich robuster entwickelt als viele andere Sportkategorien. Gleichzeitig verändert sich das Konsumentenverhalten. Für den Schweizer Sportfachhandel ergeben sich daraus wichtige Chancen, aber auch neue Herausforderungen.
Running bleibt ein relevanter Ausgabenbereich
Zwei Drittel der befragten Läufer geben jährlich mehr als 200 Euro für Running-Produkte aus. Gleichzeitig laufen über die Hälfte mindestens drei Mal pro Woche. Running ist damit längst mehr als ein gelegentliches Freizeitvergnügen – für viele Konsumenten ist es Teil ihres Lebensstils.
Bemerkenswert ist zudem, dass Running stark mit anderen Sportarten verknüpft ist. 95 Prozent der Läufer betreiben weitere Aktivitäten, insbesondere Velofahren, Fitness und Krafttraining. Running-Kunden sind damit häufig Multisport-Kunden mit überdurchschnittlichem Konsumpotenzial.
Fachhandel bleibt zentrale Einkaufsdestination
Trotz wachsendem Online-Handel kaufen 77 Prozent der Befragten ihre Laufschuhe in sportorientierten Vertriebskanälen. Jeder zweite Konsument bevorzugt weiterhin das stationäre Sportfachgeschäft.
Für den Fachhandel ist dies eine wichtige Botschaft: Running gehört zu den wenigen Sportsegmenten, in denen Beratung weiterhin einen hohen Stellenwert besitzt. Passform, Komfort und Stabilität sind für 56 Prozent der Konsumenten die wichtigsten Kaufkriterien – Eigenschaften, die sich online nur begrenzt beurteilen lassen.
Die Stärke des Fachhandels liegt deshalb weniger im Preis als in der Kompetenz bei Laufanalysen, Fussvermessungen, Produktauswahl und Serviceleistungen.
Markenloyalität sinkt
Eine der überraschendsten Erkenntnisse der Studie: 64 Prozent der Läufer sind offen für neue Marken.
Damit verliert die traditionelle Markentreue an Bedeutung. Für Händler eröffnet dies Chancen, neue und spezialisierte Marken aufzubauen. Gleichzeitig steigt der Druck auf etablierte Anbieter, ihre Innovationskraft sichtbar zu machen.
Besonders interessant ist diese Entwicklung für Schweizer Händler, die zunehmend Marken wie Hoka, Brooks, Altra oder Topo Athletic neben den klassischen Marktführern positionieren.
Nachhaltigkeit wird kaufrelevant
61 Prozent der Befragten geben an, dass Nachhaltigkeit ihre Kaufentscheidung beeinflusst.
Nachhaltigkeit allein verkauft zwar keine Laufschuhe. Sie entwickelt sich aber zunehmend zum Hygienefaktor. Marken und Händler, die glaubwürdig über Materialien, Langlebigkeit, Reparaturmöglichkeiten oder Kreislaufkonzepte informieren, können sich differenzieren.
Preisbereitschaft bleibt hoch
Die Studie identifiziert drei wichtige Preiszonen:
• Höchste Nachfrage bei rund 99 Euro
• Optimales Umsatzniveau bei rund 149 Euro
• Ambitionierte Läufer akzeptieren Preisniveaus von rund 199 Euro
Für den Fachhandel bedeutet dies, dass Premiumisierung weiterhin möglich ist. Entscheidend ist jedoch die richtige Argumentation über Performance, Komfort und individuelle Beratung.
Die Ergebnisse bestätigen einen Trend, der auch in der Schweiz sichtbar ist: Der Markt wächst vor allem im Premiumsegment und weniger über Einstiegsprodukte.
Was bedeutet das für die Schweiz?
Die Erkenntnisse passen erstaunlich gut zur aktuellen Situation im Schweizer Sporthandel. Während viele Warengruppen unter Preis- und Online-Druck stehen, bleibt Running eine Kategorie mit vergleichsweise hoher Beratungsintensität.
Gleichzeitig zeigen aktuelle Schweizer Branchendaten, dass der Online-Wettbewerb für viele Händler die grösste Herausforderung darstellt und beratungsintensive Sortimente überdurchschnittlich stabil bleiben.
Hinzu kommt, dass Running im Schweizer Sportmarkt zwar nur rund sechs Prozent Marktanteil erreicht, aber zu den strategisch wichtigen Wachstumssegmenten zählt.
Fazit
Die SGI-Europe-Studie zeigt deutlich: Running bleibt eine der attraktivsten Kategorien im Sportfachhandel. Die Kunden investieren weiterhin in hochwertige Produkte, suchen Beratung und sind offen für Innovationen.
Für den Schweizer Sportfachhandel ergeben sich daraus vier zentrale Handlungsfelder:
- Beratung und Laufanalyse konsequent ausbauen.
- Premium- und Spezialmarken aktiv fördern.
- Nachhaltigkeit glaubwürdig kommunizieren.
- Running als Einstieg in ein umfassendes Multisport-Angebot nutzen.
- Wer diese Chancen nutzt, kann sich gegenüber Online-Anbietern differenzieren und von einem Markt profitieren, der weiterhin überdurchschnittliche Wachstumschancen bietet.