24.09.2026

European E-commerce Report 2026: Was die Entwicklung für den Sportfachhandel bedeutet

Online_pexels-ivan-s-7620626

Der europäische Onlinehandel wächst weiter und wird gleichzeitig anspruchsvoller. Der neue European E-commerce Report 2026 zeigt: E-Commerce ist längst fester Bestandteil des Einkaufsverhaltens. Für den Sportfachhandel gewinnen neben der digitalen Präsenz insbesondere Servicekompetenz, künstliche Intelligenz, Kreislaufmodelle und faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber internationalen Plattformen an Bedeutung.

Onlinehandel wächst auf über 900 Milliarden Euro
Der europäische B2C-E-Commerce erreichte 2025 einen Umsatz von 911 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem nominalen Wachstum von 7 Prozent. Für 2026 wird ein weiterer Anstieg auf rund 961 Milliarden Euro erwartet.

Gleichzeitig kaufen immer mehr Menschen online. 2025 nutzten bereits 75 Prozent der europäischen Bevölkerung zwischen 16 und 74 Jahren den Onlinehandel. Die Schweiz gehört dabei zu den Ländern mit einer besonders hohen Online-Shopping-Nutzung.

Für den Sportfachhandel bestätigt dies eine Entwicklung, die bereits seit Jahren sichtbar ist: Die Grenzen zwischen stationärem und digitalem Handel verschwinden zunehmend. Kunden informieren sich online, vergleichen Produkte und Preise und entscheiden situativ, wo und wie sie kaufen.

Internationale Plattformen erhöhen den Wettbewerbsdruck
Ein zentrales Thema des Reports ist der Wettbewerb mit Anbietern und Plattformen ausserhalb Europas. Europäische Händler müssen zahlreiche Anforderungen bezüglich Produktsicherheit, Umwelt, Zoll und weiteren regulatorischen Vorgaben erfüllen.

Entscheidend ist deshalb, dass vergleichbare Anforderungen auch gegenüber ausländischen Onlineanbietern konsequent durchgesetzt werden. Gerade für den Schweizer Sportfachhandel sind gleich lange Spiesse von hoher Bedeutung. Nationale Vorschriften dürfen nicht dazu führen, dass Schweizer Händler zusätzliche Kosten und administrative Aufwendungen tragen, während Produkte über internationale Plattformen ohne vergleichbare Kontrollen direkt zu den Konsumenten gelangen.

Service wird zum wichtigen Differenzierungsmerkmal
Der zunehmende Preis- und Wettbewerbsdruck macht eine klare Positionierung des Fachhandels wichtiger. Persönliche Beratung, Produktkompetenz und Dienstleistungen lassen sich nicht beliebig digitalisieren oder durch internationale Plattformen ersetzen.

Für den Sportfachhandel bieten insbesondere Werkstatt, Reparatur, Bootfitting, Vermietung, individuelle Anpassung und weitere Serviceleistungen Möglichkeiten zur Differenzierung. Diese Leistungen stärken gleichzeitig die Kundenbindung und schaffen zusätzliche Kontaktpunkte über den eigentlichen Produktverkauf hinaus.

KI verändert Produktsuche und Einkauf
Künstliche Intelligenz entwickelt sich gemäss Report zu einem wichtigen Faktor im E-Commerce. Sie wird bereits für Kundenservice, Marketing, Content-Erstellung, Produktempfehlungen, Personalisierung und Datenanalyse eingesetzt.

Mit der Entwicklung von Agentic AI könnte sich auch die Produktsuche grundlegend verändern. KI-Systeme können künftig verstärkt Produkte suchen, vergleichen und Konsumenten bei Kaufentscheidungen unterstützen.

Damit wird für Händler die Qualität ihrer digitalen Produktinformationen noch wichtiger. Strukturierte Daten, aktuelle Sortimente, aussagekräftige Produktbeschreibungen und eine gute digitale Auffindbarkeit werden zu Voraussetzungen dafür, auch in KI-basierten Such- und Einkaufsprozessen präsent zu bleiben.

Repair, Rental und Resale gewinnen an Bedeutung
Der Report zeigt gleichzeitig eine zunehmende Bedeutung von Kreislaufmodellen. Repair, Rental, Resale und Refurbishment entwickeln sich weiter und verbinden ökologische Anforderungen mit neuen Geschäftsmodellen.

Für den Sportfachhandel ergeben sich daraus besondere Möglichkeiten. Viele Fachgeschäfte verfügen bereits über Werkstätten, Servicekompetenz und Erfahrung mit Mietmodellen. Diese Kompetenzen können künftig noch stärker genutzt werden, um Produkte länger im Kreislauf zu halten und zusätzliche Dienstleistungen anzubieten.

Preisbewusstsein bleibt hoch
Die wirtschaftliche Entwicklung führt dazu, dass Konsumenten Preise intensiver vergleichen und stärker auf Promotionen und günstigere Alternativen reagieren. Händler stehen damit vor der Aufgabe, ihre Prozesse effizient zu gestalten und gleichzeitig einen klar erkennbaren Mehrwert gegenüber reinen Preisangeboten zu schaffen.

Für den Fachhandel bedeutet dies, dass der Preis allein immer schwieriger als Differenzierungsmerkmal funktioniert. Beratung, Service, Verfügbarkeit, Vertrauen und Kundennähe gewinnen entsprechend an Bedeutung.

Sportfachhandel zwischen digitaler Präsenz und persönlicher Kompetenz
Der European E-commerce Report 2026 zeigt, dass die zentrale Frage für den Sportfachhandel nicht mehr «online oder stationär» lautet. Entscheidend ist vielmehr, wie beide Welten miteinander verbunden werden.

Digitale Sichtbarkeit und effiziente Prozesse werden zunehmend zur Grundvoraussetzung. Gleichzeitig bleiben persönliche Beratung, Fachkompetenz, Service und lokale Kundennähe zentrale Stärken des Sportfachhandels. Hinzu kommen neue Möglichkeiten durch KI und Kreislaufmodelle.

Auf Branchenebene bleibt zudem entscheidend, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen für alle Marktteilnehmer vergleichbar angewendet und kontrolliert werden. Nur unter diesen Voraussetzungen kann sich der Schweizer Sportfachhandel im zunehmend internationalen Wettbewerb unter fairen Bedingungen weiterentwickeln.

Zur Light Version des E-commerce Report 2026

Quelle: European E-commerce Report 2026 / HANDELSVERBAND.swiss